Hermetschwil, Benediktinerinnenkloster, Cod. membr. 9

Bretscher-Gisiger Charlotte / Gamper Rudolf, Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Klöster Muri und Hermetschwil, Dietikon-Zürich 2005, S. 161-162.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags (Urs Graf Verlag, Dietikon). Das Copyright an der Handschriftenbeschreibung liegt beim Verlag.
Handschriftentitel: Liber Ordinarius Missae et Officii
Entstehungsort: Hermetschwil
Entstehungszeit: erste Hälfte des 16. Jahrhunderts
Frühere Signatur: Cod 5.66.
Beschreibstoff: Pergament
Umfang: 59 Blätter
Format: 29 x 21 cm
Seitennummerierung: Neuere Foliierung: I. II. 1-57.
Lagenstruktur: (IV-1)7 + 6 IV55, zwischen Bl. 31 und 32 fehlen mehrere Lagen, Anfang und Schluss fehlen, Textverlust. Reklamanten.
Seiteneinrichtung: Tintenliniierung. Schriftraum 20,5 x 14,5, 30 Zeilen.
Schrift und Hände: Gotische Minuskel von einer Hand.
Buchschmuck:
  • Rubriziert.
  • 2zeilige rote und blaue Lombarden, blaue Paragraphenzeichen; 4v und 20r 4-5zeilige Lombarde, rot und blau ornamental gespalten, mit Fleuronné in Altrosa.
  • Auf der obersten, gelegentlich auch auf der untersten Zeile sowie am Anfang von Abschnitten Kadellen.
Spätere Ergänzungen: 14r und 28r Nachträge, 16. Jh.
Einband: Mit hellem Leder bezogene Holzdeckel, 16. Jh. Streicheisenlinien, Einzdstempel wie Cod. membr. 11 sowie Cod. chart. 140 und 149. Von ehemals je 5 Messingbeschlägen vorn und hinten je drei erhalten. Von zwei nach vorne greifenden Kantenschliessen Messingteile auf dem Vorder- und Rückdeckel erhalten. 9 Streifen der bei der Restaurierung von 1974 herausgelösten Einbandverstärkung, Missalfragmente, 12. Jh., siehe Fragmentensammlung II, Cod. membr. 9. Spiegel- und neuere Vorsatzblätter (I, II, 56, 57) Papier. Im vorderen Spiegel Bleistiftnotiz Directorium officii divini, 20. Jh.
Hauptsprache: Latein, mit deutschen Rubriken.
Inhaltsangabe:
  • Ir-IIv leer.
  • 1r-19r Proprium de tempore. Litaniae maiores - 25. Sonntag nach Pfingsten. Mit deutschen Rubriken. // Oratio. Presta quesumus …–… Antiphona. Saciavit dominus. >Die mess nim als am widrigen sontag< Anfang fehlt.
    • (1v) Auffahrt: 2v >Item uff disen tag nach alter gewonheit so gat man mitt crücz gen Gösliken [= Göslikon, AG] zu unser lieben frowen<
    • (4r) Pfingsten: >Item nach der metti oder vor der prim sol die kustrin den kor oder fronalter hochzitlich becleiden und zů růsten wie am abent ze östren und sol die küchen iungfrow einen nwen touf intragen den der lüpriester nahin vor der mess sol segnen<
    • (7r) Trinitas;
    • (8r) Corpus Christi;
    • (10v) Historiae. >Hie nach volgent die regel uff die sontäglichen hystorien nun hinfur bis uff das advent, wen und wie man die sol inleggen und betten.<
  • 19v leer.
  • 20r-50r Proprium de sanctis. Saturnin - Konrad. Mit deutschen Rubriken. >Hie nach volget der ander teyl dis bůchs von den helgen durch das gancz jor< Saturnini, Crisanti, Mauri und Darie martrer …–… Antiphona. Hodie beatus pontifex. Zwischen 31v (Scholastica, 10. 2.) und 32r (Tiburtius, 11. 8.) fehlen mehrere Lagen, Textverlust.
    • (21v) Nikolaus: >Nicolai des helgen bischoffs tag ist in der cappel kirwihe dann er ist patron uff dem selben altar<
    • (28v) Purificatio BMV;
    • (36r) Ordinatio Gregorii;
    • (43v) Allerheiligen;
    • (46r) Martin mit Oktav: >Martinus bischoff patron und husvatter dis gotzhus<
  • 50r-v Dedicatio ecclesiae. Mit deutschen Rubriken. >Hie nach volget die hystori von der kyrwihe eines goctzhus< Zu der vesper uber psalmos antiphona. Presta domine …–… Oratio. Deus qui nos per.
  • 51r-v leer.
  • 52r-55v Commune sanctorum. Mit deutschen Rubriken. >Hye nach volget das comůn von den helgen. Unnd zů dem ersten von den helgen czwelffbotten< Zu der vesper capitulum. Iam non estis …–… zu der non antiphona. Serve bo // . Bricht ab im Abschnitt Von eim bichter der ein bischoff ist. Schluss fehlt.
  • 56r-57v leer.
Entstehung der Handschrift: Nach der Liturgie für Hermetschwil bestimmt. Siehe unten, 21v und 46r, wo Nikolaus und Martin als Patrone der Kirche angesprochen werden.
Erwerb der Handschrift: Hermetschwil, nach dem Eintrag im vorderen Spiegel: Diß sind die ersten statuten so wohl der kirchen, cor und tagohrnung halb welches höchst bedurlich vertrent und onbeobachtlich leider verschniten wurden, 17. Jh.; Fragmente erhalten auf den Einbänden von Hermetschwiler Archivalien, Staatsarchiv Aargau M 4706-4708 und M 4765. Aufgeführt im Bücherverzeichnis von Hermetschwil 1697: 12r Statuta in alter schrifft N° V. 1r und Spiegelblatt hinten Stempel Convent M. G., 19. Jh., Spiegelblatt vorn alte Signatur Cod 5.66., darunter rot n° 9.
Bibliographie:
  • Bruckner, Scriptoria 7, S.47 und Taf. 52.