Basel, Universitätsbibliothek, O IV 29, Buchrücken – Albin von Clairvaux: Liber de virtutibus / Epistola ad Heribertum
http://www.e-codices.ch/de/ubb/O-IV-0029/bindingB
Kurzcharakterisierung:Über Albin von Clairvaux, auch Albuinus de Gorze oder Albuinus Eremita, ist wenig bekannt, ausser dass er um das Jahr 1000 eine Kompilation moralisch-theologischer Schriften erstellte, die einem Pariser Kanoniker Arnoldus und Erzbischof Heribert von Köln (999-1021) gewidmet war. Das vorliegende Exemplar stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert und ist in weiches Leder gebunden, das wohl ursprünglich lang genug war, um das Buch ganz einzuschlagen, jedoch so schmal ist, dass der Buchblock oben und unten übersteht. Es gehörte im 15. Jahrhundert der Kartause Mainz und gelangte über die Sammlung Remigius Faesch an die UB.(mue)
Pergament · 56 ff. · 13 x 8.5 cm · 11./12. Jahrhundert
Albin von Clairvaux: Liber de virtutibus / Epistola ad Heribertum
Wie zitieren:
Basel, Universitätsbibliothek, O IV 29, Buchrücken – Albin von Clairvaux: Liber de virtutibus / Epistola ad Heribertum (https://www.e-codices.ch/de/list/one/ubb/O-IV-0029)
Handschriftentitel: Albuinus Claraevallensis: Liber de virtutibus ad Heribertum archiepiscopum Coloniensem / Albuinus eremita
Entstehungszeit: 11./12. Jahrhundert
Beschreibstoff:
Pergament mit starken Gebrauchs- und Feuchtigkeitsspuren. Bl. 13 unten schräg abgeschnitten, Bl. 55 und 56 durch Mäusefrass (?) beschädigt.
Umfang:
1 Band (56 Blätter)
Format: 13 x 8,5 cm
Seitennummerierung: Moderne Bleistiftfoliierung: 1-56
Lagenstruktur: 2 (V-2)16 + 2 IV32 + 2 (V-2)48 + (II+[(I-1)51 + (II-1)54])56. Je ein Blatt herausgeschnitten nach Bl. 3, 6, 11, 14, 35, 38, 42 und 45. Die letzte Lage ist verschachtelt: In die Mitte des Binio, der Bl. 49, 50, 55 und 56 umfasst, sind zwei weitere Lagen eingebunden - ein Unio, dessen zweites Blatt (nach Bl. 51) herausgeschnitten ist, und ein Binio, dessen erstes Blatt (vor Bl. 52) herausgeschnitten ist.
Seiteneinrichtung: 2r-56v: Schriftraum 9,5 x 6 cm, 15 am Rand eingestochene Zeilen.
Schrift und Hände:
2r-56v: Gotische Minuskel einer Hand des 11./12. Jahrhunderts. Für eine Bestimmung der Schriftheimat wären laut Binz die et-Kürzungen und das hochgestellte Schluss-s zu beachten.
56v: Zwei Hände des 14. Jahrhunderts aus der Gegend von Mainz (?) in stark verblasster Tinte.
Buchschmuck: 2r-56v: Rote Kapitelüberschriften, die am unteren Rand der betreffenden Seite schwarz vorgeschrieben sind. Einfache rote, zwei Zeilen hohe Kapitelinitialen.
Einband:
Zeitgenössischer Einband aus schrumpligem gelbem Leder, Ränder durch an den Spiegelblättern festgenähte dunkelbraune Ledereinfassungen verstärkt. Der hintere Deckel, dessen Mitte kreisförmig stark abgerieben ist, ragt etwa 2cm über den Buchblock hinaus; wahrscheinlich war er ursprünglich so lang, dass er um das Buch herum und über den - etwas zu schmalen - vorderen Deckel gewickelt und mit einer Schnur an einem Knopf oder Knauf in der Mitte der abgeriebenen Stelle befestigt werden konnte. Ein zeitgenössisches Lesezeichen aus Leder ist mit Faden am Rücken befestigt.
Hauptsprache: Lateinisch
Inhaltsangabe:
1r
Besitzvermerk, Signatur, Federprobe
Iste liber … Mogunciam. [Proba]cio quod tu sis bonus homo.
2r-56vAlbuinus Eremita: Liber de virtutibus ad Heribertum archiepiscopum Coloniensem>Incipit libellus Albuini inclusi<Hheriberto [sic] Coloniensi episcopo Albuinus [corr. ex Albeinus] Heremita indignus gloriam et pacem sempiternam. Ex quo mi pater misericordie vestre graciam promerui … Igitur quia pium studium sacras litteras habetis audire sicut mihi indigno precepistis desideravi scribere pietati vestre aliqua exempla …
(3r)
… Pro certo scitote omnes nullus libellus citius vos deducet ad celestes thesauros quam iste si sepius curetis eum recitare. Scio vere multum esse beatum qui se solummodo salvat domino adiuvante … …–…
3vubi multi sanctorum requiescunt.
>De caritate<Dum [sic für cum] igitur de plurimis 4r virtutibus te desiderem ammonere, in primis cupio ut virtutem caritatis ante omnia studeas habere …–…
acquiritur puritas cordis. De puritate cordis possidetur perfectio apostolicę caritatis.
Für Vergleiche mit anderen Handschriften sowie Diskussion der Theorie, dass einige Sermones dem Caesarius Arelatensis zuzuschreiben seien, vgl. Binz, ungedruckte Beschreibung (1940)
Druck des Vorworts: PL 138, 185f.
56v
Zwei deutsche Einträge
2 Eyn hus daz kethe herpels ynnen hat und ein hus und gesesze lut eym dur (?) zu underpande daz git XIII gross. Daz ander und daz henne harpel ynne hat und auch selber dynne sicze. und git eyn schill (?) so uch angen … ist. / M'eiedut (?) ich truwe hilf daz mich mine sunden ruwen.
Provenienz der Handschrift:
Aus dem Museum Remigius Fäsch, in dessen Katalog auf Bl. 168v als Albduini [sic] Eremitae libellus de virtutibus spiritualibus ad Heribertum episcopum Colon. MS in membr. in 16º, in Hubers Verzeichnis 8º Nr. 17 als Libellus Albuini inclusi, 12º membr. (Regula Carthus. ??), bei Hänel Sp. 659b als Libellus Alcuini membr. 12 verzeichnet.
Davor im Besitz der Kartause Mainz, vgl. Eintrag von einer Hand des 15. Jahrhunderts auf 1r: Iste liber est Carthusiensium prope Mogunciam.
In den Bibliothekskatalogen der Basler Kartause nicht verzeichnet.
Erwerb der Handschrift:
Eigent.: Öffentliche Bibliothek der Universität Basel
Bibliograph. Nachweise
Binz, Gustav. - Ungedruckte Beschreibung, 23.11.1940 (zugänglich im Sonderlesesaal)
Literatur
Chevalier, Ulysse. - Répertoire des sources historiques du moyen âge. - Paris, 1905, Sp. 120 (unter "Alboin de Gorze")
Manitius, Max. - Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters, Band 2. - München, 1923, S. 440 und 736
Worstbrock, Franz Josef. - Art. "Albuinus Eremita", in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 1 (1978), Sp. 207-209